Weil ich Schaf schlaf
8. Juni 2012 by admin

Schlaflos zum Titel? (Teil 2)

Wie es mit der Schlaflosigkeit bei den Fans aussieht, kann freilich nur spekuliert werden. Sicher ist: Ein Fußballspiel ist anstrengend, auch wenn man dabei nicht selbst auf dem Platz steht. Das weiß jeder, der einmal im Stadion oder auch nur am Fernsehschirm 90+x Minuten mit seiner Mannschaft mitgefiebert und richtig gelitten hat. Bei jedem gegnerischen Angriff, jedem Eckball, jeder Flanke und erst recht jedem Torschuss schnellt der Puls nach oben, wie bei einem Intervallsprint. Klar, auch das Herz bekommt sowas mit und simuliert dem Körper Ermüdung. Bei (älteren) Fußballfans, die in einer engen Partie unter hohem Stress stehen, steigt das Herzinfarktrisiko um ein Vielfaches, wie niederländische, britische und deutsche Forscher im Rahmen der Euro 2000, WM 2002 und WM 2006 herausfanden. So schreibt z.B. sueddeutsche.de im Januar 2008 mit Bezug auf eine Studie von Medizinern des Münchner Universitätsklinikums Großhadern im Fachblatt New England Journal of Medicine:Wenn Klinsmanns Elf kickte, erlitten die Fans – selbst daheim vor dem Fernseher – erheblich häufiger Herzinfarkte und Rhythmusstörungen als in Fußball-abstinenten Zeiten: 3,3-mal so viele Männer und immerhin auch 1,8-mal so viele Frauen riefen den Notarzt und kamen daraufhin in eine Klinik. ‚Die Daten zeigen in beeindruckender Weise, dass emotionaler Stress Herzprobleme auslösen kann‘, sagt Ute Wilbert-Lampen, Erstautorin der Studie. Erstaunlicherweise kam es gar nicht so sehr darauf an, ob die deutsche Mannschaft gewann oder verlor. ‚Wichtig schien vielmehr die Intensität der Aufregung zu sein.‘“

Wow, das ist heftig! Wie ist es überhaupt möglich, dass man beim Fußball schauen, so viel Lust und Frust verspürt?  Dafür sorgen u.a. bestimmte Areale des Gehirns wie der Nucleus accumbens, ein Teil des sogenannten Belohnungssystems, der im unteren Vorderhirn angesiedelt ist. Hier wird Dopamin ausgeschüttet, welches wiederum für die Auslösung von Vorfreude verantwortlich ist. Bei vielen Fußballfans besteht diese Vorfreude vor allem in der Spannung, die ein bevorstehendes Match verspricht. Dopamin verspricht uns die Aussicht auf eine Belohnung. Wer sich in der Vergangenheit mit Fußball getröstet oder motiviert hat, dessen Gehirn merkt sich diesen Zusammenhang und reagiert entsprechend bei der nächsten Konfrontation.

Soweit der „kleine“ Exkurs in die Medizin und biologische Psychologie. Persönlich kann ich sagen, dass sich mein Schlaf, wenn überhaupt, nur sehr bedingt durch eine Fußball-EM ändert und ich zum Glück auch von Herzrhythmusstörungen bisher verschont geblieben bin, obwohl ich natürlich immer stark auf dieses wunderbare Ereignis hinfiebere und die Wochen des Turniers als sehr besonders erlebe. Das kann zum einen daran liegen, dass man mit dem Alter – ja, ich weiß, ich bin erst 27, aber ein bisschen „älter“ fühle ich mich trotzdem – ruhiger und irgendwie routinierter damit umgeht, weil man das alles ja schon ein paar Mal erlebt hat. Zum anderen spielt es aber ganz sicher auch eine Rolle, als was genau man die Geschehnisse für sich einordnet. Sieht man ein EM- oder WM-Spiel primär als äußerst attraktive Unterhaltung, die man zusammen mit seinen Freunden bei einem Bier genießt – so wie ich – dann kann man danach in der Regel auch bestens abschalten und entsprechend gut schlafen. Wohl gemerkt: Ich spreche vom Abschalten danach, nicht unbedingt während der Spiele.

Ehrlich gesagt, fallen mir zwar spontan auch einige Leute ein, die während einer EM/WM noch mehr als sonst hitzig über Fußball und das ganze Drumherum diskutieren, aber niemand, der deswegen letztlich nicht doch tief und fest schlafen kann. Da fragt man sich natürlich: Liegt’s an uns und unserer Einstellung, an unseren Ernährungs- und Trinkgewohnheiten oder haben wir – im Gegensatz zu anderen Fans – ganz einfach nur Glück? Gibt es sie, die Hardcore-Grübler, für die die Zeit des Turniers zu einer schlaflosen – oder zumindest schlafarmen – Tortur wird? Vermutlich gibt es sie, und ich wünsche ihnen schon jetzt ein möglichst angenehmes Turnier. Denn: Fußball ist doch schließlich die schönste Nebensache der Welt – oder etwa nicht?

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4. Juni 2012 by admin

Schlaflos zum Titel? (Teil 1)

Wieder ist es soweit, für viele sogar endlich wieder: Die Fußball-Europameisterschaft 2012 steht an. Und gerade die deutschen Fußballfans stellen Ihre Lauscher in diesem Jahr besonders auf, schließlich gilt ihr Team als einer der großen Favoriten auf den Titel.

Soweit das Bekannte, der öffentliche Common Sense, das, was man in unzähligen Werbeprospekten deutscher Baumärkte, Elektronik- und Sportfachgeschäften verbal hinterhergeworfen bekommt.

Ich möchte aber den Blick auf einen ganz anderen und kaum diskutierten Aspekt dieses sportlichen Großereignisses werfen: Wie verändern sich eigentlich die Schlafgewohnheiten in dieser Zeit? Hat die nervliche Dauerbelastung Konsequenzen für die Gesundheit?

Zunächst einmal muss dabei natürlich betont werden, dass man diese Frage für einen nicht kleinen Teil der deutschen Bevölkerung gar nicht zu stellen braucht, denn diesen interessiert das bunte Treiben in Polen und der Ukraine nicht die Bohne. Zugegeben, das ist für einen Hardcore-Fan wie mich nur schwer bis nicht nachvollziehbar, aber ich möchte die Augen vor der – bisweilen absurden – Realität nicht verschließen.  Interessant ist, dass es in meinem erweiterten Bekanntenkreis, ganz entgegen dem Klischee, gar nicht so sehr die Frauen, als vielmehr einige das Leid dieser Welt auf ihren Schultern tragende Männer sind, die sich dem faszinierenden Mikro- und Makrokosmos eines solchen Fußballgroßereignisses verschließen (und die wohl auch genau deshalb das Leid der Welt weiterhin auf ihren Schultern tragen werden).

Kommen wir aber nun zu denjenigen, die aufgewühlt, fasziniert, begeistert, erschüttert, gepeinigt, euphorisiert, gedemütigt, befreit oder schlichtweg bestens unterhalten werden von einer Fußball-EM/WM. Damit spreche ich keineswegs nur von den Fans in den Stadion und den Zuschauern am Fernsehschirm. Auch die Spieler selbst können bisweilen von heftiger Schlaflosigkeit befallen werden, wie das aktuelle Beispiel des Münchner Nationalspielers Thomas Müller beweist. Am Tag nach dem Drama um das verlorene Champions League-Finale gegen den FC Chelsea stand überall zu lesen: „Müllers schlaflose Nacht: ‚Kann es noch nicht fassen.‘“ Offenbar war der arme Thomas dermaßen traumatisiert, dass er seine Gefühle mit anderen Menschen teilen musste, denn er ließ seine Schlaflosigkeit via Facebook verlauten.

Nun drängt sich natürlich die Frage auf, wie es den anderen deutschen EM-Fahrern geht, wenn es einmal in einem wichtigen Spiel (z.B. dem Auftaktspiel gegen Portugal am Samstag) eine Niederlage oder zumindest keinen Sieg gibt. Muss Jogi Löw dann damit rechnen, dass seine Spieler am nächsten Morgen mit dicken Augenringen in die Hotellobby gewankt kommen und sich kollektiv von der ersten Trainingseinheit abmelden? Sicher nicht, denn fraglos geht jeder ein bisschen anders mit solchen persönlichen Enttäuschungen um und die Männer mit dem Adler auf der Brust sind zu sehr Profis und Niederlagen gewohnt, um danach jedes Mal schweißgebadet wach zu liegen.

Dennoch muss betont werden, dass bei allen Diskussionen um Siegeswillen und die richtige Taktik eben auch das Schlafverhalten unserer Jungs eine nicht unwichtige Rolle spielt, ob es am Ende für den Pokal reicht. Sicher kennt ihr alle das Prinzip der Superkompensation, nach dem der Körper im Anschluss an die Erholungsphase nach einer größeren körperlichen Belastung, bei der er an seine Grenzen gehen muss, zusätzliche Kräfte und Energien bereitstellt, um für eine neue stärkere Belastung gerüstet zu sein. Er „überkompensiert“ also seine Anstrengung. Selbstredend ist das so nur dann möglich, wenn die Erholungsphase lang genug ist, was spätestens dann schwierig wird, wenn sich der Profi an der Bar mehr als nur ein „Feierabendbier“ gönnt. Zumindest darauf werden die Verantwortlichen und Betreuer also achten, zumal das Bier in Polen ja nicht gerade im Verdacht steht, untrinkbar und zu teuer zu sein…

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25. Mai 2012 by admin

Herzlich Willkommen in der wunderbaren Welt des Schlafens!

Hallo, liebe Leser!

 

Auf meinem Blog möchte ich mich dem faszinierenden, wie komplexen Phänomen Schlaf nähern und versuchen, lebendige und vor allem authentische Einblicke zu vermitteln.

Deshalb werdet ihr hier Artikel zu lesen bekommen, die sich mal naturwissenschaftlich, mal gesellschaftlich, mal als subjektive Erfahrung und hoffentlich immer geistreich und spannend mit dem Schlafen auseinandersetzen.

 

Warum das alles?

Die Antwort ist einfach. Wenn man mit etwas ein Drittel seiner Lebenszeit verbringt, dann kommt man nicht umhin, sich hin und wieder Gedanken darüber zu machen. Wichtig ist es mir daher, zu informieren ohne dabei zu langweilen, zu unterhalten ohne inhaltslos zu werden.

Denn Schlaf ist mehr als der Austausch von Botenstoffen im Gehirn (auch wenn dies freilich ein wichtiger Aspekt ist). Er ist Kulturgut. Er ist ein Mysterium. Er ist ein Teil unseres Lebens. Und ein großer dazu.

Kurz gesagt: Schlaf ist zu wichtig, um nicht darüber zu sprechen.

 

Ich wünsche euch ein interessiertes, informatives und hoffentlich nicht einschläferndes Lesen!

Euer Schlafschaf

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